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08.01.2010 16:43 Alter: 2 Jahr(e)

Eine warme Suppe gegen die eisige Kälte

Suppenengel teilen seit mehr als einem Jahrzehnt Mahlzeiten an obdachlose und hilfsbedürftige Bremer aus


Artikel aus www.das-blv.de vom 6.1.2010 (von Holger de Haan)

Bremen. Sie übernachten in Papiermülltonnen, unter Brücken, in Zelten, wer keinen Hund hat auch in Unterkünften. Im Sommer mag das Leben unter freiem Himmel oder am Lagerfeuer einen Hauch von Berberromantik mit sich bringen. Im Winter ist damit Schluss. Im Winter geht’s ums Überleben. Die ersten toten Obdachlosen hat die Kälte bereits vor Weihnachten gefordert. In diesen Tagen ist es mit der Festtagsromantik vorbei und einigen ganz speziellen Weihnachtsfeiern für Menschen ohne Obdach. Fröhliche Tafeln und Zusammensein bei gutem Essen, Naschwerk, Kaffee und alkoholfreiem Bier, all das ist vergessen, nun stehen die Menschen mit ihren ganz persönlichen Lebensschicksalen wieder fast ganz allein da, wenn da nicht ein paar helfende Hände wären, die ihnen zumindest einmal am Tag eine warme Mahlzeit reichten. Übrigens: In Deutschland gibt es insgesamt etwa 860.000 Obdachlose. Diese Zahl setzt sich aus 591.000 Menschen ohne mietvertraglich abgesicherten Wohnraum und 269.000 wohnungslosen Aussiedlern zusammen. Eine offizielle Statistik gibt es nicht, die Zahlen sind vielmehr Schätzungen, die von Wohlfahrtsverbänden aufgestellt wurden. Das gilt auch für das Bundesland Bremen, hier geht der Verein Innere Mission von 300 bis 500 Personen aus, die wohnungslos sind. In Bremen kochen die Bremer Suppenengel seit 1997 mehrmals in der Woche Suppe für Obdachlose und Bedürftige. Mit der mobilen Suppenküche sind die ehrenamtlich tätigen Helfer fast täglich in der Bremer Innenstadt unterwegs, mit Fahrrädern und Anhängern mit heißer Suppe, belegten Broten, frischen Salaten und Kaffee. Versorgt werden täglich bis zu 180 Bedürftige und das nicht nur im Winter. Ein paar Tage vor dem Weihnachtsfest verteilten Zia Hüttinger, Gründerin der Suppenküche Suppenengel, und ihr Team Weihnachtstüten mit Süßigkeiten, Handschuhe, warme Fleece-Jacken und frostsichere Schlafsäcke an rund 250 obdachlose Bremer. Dank einer Spende der holländischen Transportfirma TNT Innight konnten die Suppenengel 60 Schlafsäcke kaufen, Ingrid Krusche von outdoors.de gab spontan 35 Prozent Rabatt, als sie von der Aktion hörte; die Firma KIK gewährte 25 Prozent

auf Unterwäsche, Socken und warme Kleidung wie Pullover und Leggins. Auch die Kleiderkammer ist nun gut gefüllt. Doch nicht nur warme Klamotten gab es für die bedürftigen und obdachlosen Bremer. Zum ersten Mal hatten die Suppenengel zu einer Plätzchen-Aktion aufgerufen, 220 Weihnachtstüten mit Orangen, Bananen, Lebkuchen, Schoko-Weihnachtsmännern und selbstgebackenen Plätzchen wurden gefüllt. Auch in diesen Tagen läuft die Plätzchen-Aktion weiter, der 24-Stunden-Sparmarkt in der Gastfeldstraße nimmt noch rund um die Uhr Plätzchen an. Und wenn sich die Suppenengel nach verdienter Weihnachtspause am heutigen Mittwoch wieder in der Gemeindeküche der St. Jakobi-Gemeinde im Kirchweg 55 einfinden, um das Essen vorzubereiten, ist sicherlich das eine oder andere Weihnachtsleckerli noch mit dabei. Dank der Unterstützung einiger Wochenmarkthändler und des Großmarktes Bremen ist die Versorgung mit Gemüse und Brot gesichert. Was aber dringend benötigt wird, ist Kaffee sowie Rindfleisch und Speck zum Kochen der Suppen. Darüber hinaus ist jede helfende Hand willkommen, die stundenweise Möhren schnibbelt, Brote schmiert, Kleider sortiert oder am Bahnhof Suppe ausschenkt. „Jede Hand hilft“, weiß Zia Hüttinger aus ihrer täglichen Praxis. Wer sich für die Arbeit der Suppenengel interessiert und mitmachen möchte, sollte sich unter der Rufnummer 14 91 88 75 melden. Dort sitzt Angela Brakhane von 9 bis 13 am Telefon und wird gern Fragen beantworten. Doch nicht nur in Bremen brauchen obdachlose und hilfebedürftige Menschen Unterstützung, in Schwanewede und Osterholz-Scharmbeck geben Tafeln Lebensmittel für Hilfebedürftige aus. HDH